International Aid Transparency Initiative (IATI)
1. Organisationsprofil
Die International Aid Transparency Initiative (IATI) ist aus dem High Level Forum zur Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit in Accra im Jahr 2008 entstanden. Im Zentrum von IATI steht ein zentrales Register, in dem sowohl laufende Entwicklungsausgaben als auch zentrale Dokumente gesammelt und transparent gemacht werden sollen.
IATI richtet sich bisher in erster Linie an Staaten, denen ein einheitlicher Standard für die Erfassung von Entwicklungshilfegeldern empfohlen wird. Aber auch multilaterale und nicht-staatliche Geldgeber sind aufgefordert, sich an der Umsetzung von IATI zu beteiligen. Unsere folgende Einschätzung bezieht sich daher auf die Rolle und die Anwendbarkeit für NRO.
Technisch ist geplant, dass Geldgeber (auch NRO) ihre Daten nicht in eine neue Datenbank einpflegen, sondern die entsprechenden Informationen bereits im IATI-Standard im XML-Format produzieren und auf den eigenen Webseiten nach eben diesem Standard darstellen. Dann sollen sie mit dem allgemeinen Datenregister verlinkt werden.
2. Organisationsstruktur
Bei IATI handelt es sich um ein Netzwerk von Organisationen bestehend aus Staaten, multilateralen Unternehmen und NRO. Zusätzlich sind 21 Entwicklungsländer als Partner des Netzwerks beteiligt. Initiiert wurde das Netzwerk von Großbritannien und den Niederlanden. Großbritannien leitet derzeit auch das Sekretariat mit zwei Mitarbeitern. Ein Großteil der Arbeit wurde an die gemeinnützige Unternehmensberatung „Development Initiatives“ auf Vertragsbasis abgegeben. Die Leitung hat ein Steering Committee inne, in dem die Mitglieder des Netzwerks vertreten sind. Entscheidungen werden einstimmig getroffen.
Bislang verfügt das Netzwerk noch nicht über ein Kontrollorgan. Wie die Überwachung der Standardeinhaltung zukünftig gewährleistet wird, wird noch innerhalb des Steering Committee diskutiert. Das Netzwerk betrachtet die Übereinstimmung mit den Daten noch als ein Lerninstrument, welches stetig durch das Engagement der Organisationen verbessert und aufgefüllt werden soll.
3. Finanzierung
Art der Finanzierung
Bislang finanziert sich das Netzwerk aus freiwilligen Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Der größte Anteil stammt von DFID, dem englischen Entwicklungsministerium. Über eine mittelfristige Finanzierung wird noch gesprochen.
Kosten der Dienstleistungen
Eine Beteiligung ist für NRO kostenfrei. Die Anpassung und Aufarbeitung der Daten wird aber mit Sicherheit einen höheren finanziellen Aufwand erfordern. Für die Anpassung der staatlichen Informationen gibt es Schätzungen, dass das Einsparungspotential (höhere Effizienz, bessere Koordination, Korruptionsbekämpfung) den Aufwand wieder aufwiegt. Inwieweit dies auch für einzelne NRO zutrifft, ist noch nicht absehbar.
4. Interne Transparenz
Hierzu liegen keine weiteren Informationen vor.
5. Transparenzverständnis
Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, Transparenz im Bereich der Entwicklungshilfe über nationale und organisatorische Grenzen hinweg zu schaffen. So soll ein Zugang für alle Akteure zu Basisinformationen in standardisierter Form sichergestellt werden. IATI steht damit für internationale Transparenz. Der zentrale Mehrwert ist, dass die Informationen unterschiedlicher Geldgeber vergleichbar werden.
Anforderungen an die teilnehmenden Organisationen: Bewertungskriterien und -standards
Die Initiative zielt auf die Veröffentlichung einer ganzen Reihe von Informationen. Hierzu zählen vor allem Finanzströme und Bilanzen. Aber auch Zeitleisten-, Projektbeschreibungen und -dokumentationen sollen so vereinheitlicht und an einer zentralen Stelle zusammengeführt werden. Unter der Federführung von IATI-Sekretariat und INGO Accountability Charter wird in Kürze eine Arbeitsgruppe starten, welche über die Anwendung und die Anpassung des bestehenden Standards für NRO beraten soll. Bislang hat erst eine NRO ihre Daten mit dem IATI-Register verknüpft.
6. Vorteile für und Anforderungen an die Hilfsorganisationen
Auch IATI birgt auf den ersten Blick keinen Vorteil für die Einzelorganisation. Stattdessen handelt es sich um einen Standard, dessen Mehrwert erst bei Anwendung durch den gesamten oder zumindest einen signifikanten Teil des Sektors sichtbar wird. IATI ist offen für alle Arten von Gebern, bezieht damit auch große private Geber ein und spricht sowohl Zielgruppen im Norden als auch im Süden an.
Das IATI-Sekretariat bietet überdies technische Unterstützung für Organisationen an, die eine Anpassung von Daten an den Standard vornehmen möchten. Vor kurzem hat ein Projekt der NewYork Law School eine IATI online Erfassungsmaske zur Verfügung gestellt, die es kleineren Organisationen auf ermöglichen soll, Projekte im IATI Standard zu erfassen. Dieses online Werkzeug speziell für kleine und mittlere NGOs ist unter www.openaidregister.org direkt einsetzbar .
7. Unsere Einschätzung:
Die Absicht von IATI entspricht der Zielrichtung des VENRO-Verhaltenskodex und der von VENRO unterstützten Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Insofern empfehlen wir eine Beteiligung grundsätzlich. Inwieweit der Standard auch für Organisationen mit mittleren oder geringeren Jahreseinnahmen sinnvoll anwendbar sein kann, ist derzeit nicht einschätzbar. Der Ansatz ist aber interessant und wir empfehlen, die weiteren Planungen zu beobachten und sich in einen technischen und inhaltlichen Diskursüber die Umsetzung an IATI zu beteiligen.


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