Gender
Seit der UN-Frauenkonferenz 1995 in Peking hat sich die Situation von Frauen in weiten Teilen der Welt nicht wesentlich verbessert – trotz der Verabschiedung einer gemeinsamen Aktionsplattform. Frauen und Mädchen sind immer noch am meisten von Armut und fehlenden Rechten betroffen. Ihre sozialen und politischen Handlungsspielräume sind nach wie vor gering. Das ungleiche Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern stellt weiterhin ein Hindernis für nachhaltige Entwicklung und einen Verstoß gegen die Menschenrechte dar.
Die VENRO-Mitgliederversammlung 2003 hat beschlossen, den Verband als Forum für das Thema Gender zu nutzen. Die Aktivitäten seiner Mitglieder in diesem Bereich sollen unterstützt und gefördert werden. So sollen etwa Fragen nach der konkreten Umsetzung von Gender Mainstreaming in der Projekt- und Programmarbeit zur Diskussion gestellt werden. Ziel ist es, gemeinsame Lösungsansätze zu finden und damit einen Beitrag zur Überwindung von Frauenarmut und zur Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit zu leisten.
Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit
In den entwicklungspolitischen Ansätzen zur Gleichstellung der Geschlechter haben sich in den vergangenen Jahren bedeutende Entwicklungen und Perspektivwechsel vollzogen. Angesichts der anhaltenden Ungleichheit zwischen den Geschlechtern setzt sich VENRO mit diesen Entwicklungen auseinander und diskutiert, inwieweit die unterschiedlichen Strategien einen Beitrag zur Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit leisten können. Im Mittelpunkt stehen dabei die als komplementär zu betrachtenden Strategien des Gender Mainstreaming und der Frauenförderung.
Gewusst wie – Gender in der Entwicklungszusammenarbeit
Am 2. Dezember 2004 trafen sich Mitgliedsorganisationen zu dem Workshop „Gewusst wie? Frauenförderung und Gender Mainstreaming in der NRO-Praxis“. Hier wurde erörtert, wo Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Verständnis der beiden Ansätze liegen. Zudem ging es darum, welche Strategien, Verfahren und Instrumente geeignet sind, um tradierte Geschlechterrollen zu verändern. Ziel ist es, Geschlechtergerechtigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit besser umzusetzen.
Der angestoßene Diskussionsprozess mündete zwei Jahre später in der Veröffentlichung der Handreichung „Gewusst wie – Gender in der Entwicklungszusammenarbeit“. Die Handreichung möchte auf der Basis von Erfahrungen und aktueller Praxis Programmbeauftragte, aber auch Entscheidungsträgerinnen und -träger bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen.
Auf 90 Seiten werden Ansätze der Geschlechtergerechtigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe erläutert. Zudem werden erfolgreiche Praxisbeispiele von VENRO-Mitgliedsorganisationen präsentiert, wichtige Fachbegriffe erklärt sowie Checklisten und Online-Quellen zusammengestellt.
Gewusst wie - Gender in der Entwicklungszusammenarbeit (Dezember 2006:Normalversion PDF (8,6 MB);
Version mit reduzierter Dateigröße PDF (1,76 MB)
VENRO-Positionspapier: Frauenförderung und Gender Mainstreaming
In einem Positionspapier aus dem Jahr 2007 setzt sich VENRO kritisch mit den entwicklungspolitischen Strategien der Frauenförderung und des Gender Mainstreaming auseinander.
Ziel des Papiers ist es, in der staatlichen und der zivilgesellschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass beide Strategien als komplementäre Instrumente zur Erreichung von Geschlechtergerechtigkeit notwendig sind. Deshalb müssen auch beide mit den entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden.
VENRO fordert, dass Gender Mainstreaming frauenspezifische Maßnahmen in Umfang und Qualität nicht verringern darf. Entwicklungszusammenarbeit muss sich immer am Ziel der Geschlechtergerechtigkeit ausrichten.
Die Überwindung ungerechter Geschlechterstrukturen erfordert beides: Die Transformation diskriminierender Geschlechterverhältnisse in allen gesellschaftlichen Bereichen, wie auch gezielte Maßnahmen der Frauenförderung. Diese sollen die Frauen in die Lage versetzen, veränderte Strukturen für sich zu nutzen.
Download: VENRO-Positionspapier (53 KB)


Gender und wirksame Entwicklungszusammenarbeit
Die Berücksichtigung von Gender-Interessen ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen und nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit. In der Paris Deklaration zur Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit, deren Umsetzung im September 2008 in Accra überprüft werden soll, droht das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit jedoch in den Hintergrund zu treten. Die VENRO-Steuerungsgruppe Gender fordert daher, Ziele und Mechanismen zur Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit systematisch in den gegenwärtigen Prozess zur Reform der Entwicklungszusammenarbeit zu integrieren. Denn nur wenn Geschlechterungleichheiten adressiert werden, kann Armut nachhaltig bekämpft und eine wirksame Entwicklungszusammenarbeit umgesetzt werden.
Stellungnahme der VENRO-Gendergruppe: Wirksame Entwicklungszusammenarbeit durch Geschlechtergerechtigkeit
(Juli 2008)
Für die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit ist es zentral, Genderaspekte auch in Konzepte und Methoden der Wirkungsbeobachtung einzubinden. Dies erfordert sowohl ein umfassendes Verständnis von Ungleichheitsstrukturen zwischen den Geschlechtern als auch eine Vertrautheit mit entsprechenden Methoden der Wirkungsanalyse. Nachdem die VENRO-Steuerungsgruppe Gender bereits im Oktober 2007 zusammen mit NGO-IDEAS einen zweitägigen Workshop zu dem Thema durchgeführt hat, wird im September 2008 ein weiterer Workshop mit dem Titel „Gender als Erfolgsfaktor: Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit“ stattfinden.
VENRO-Workshop: Gender als Erfolgsfaktor - Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit
Gender und Europäische Entwicklungspolitik
Gender und Europäische Entwicklungspolitik
Im Rahmen des VENRO-Projekts zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 lag ein Schwerpunkt auf dem Thema Gender und Entwicklungszusammenarbeit. Neben einer Podiumsdiskussion mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul wurde in einem Workshop eine Bilanz aus den Erfahrungen und Strategien der NRO-Arbeit in Afrika gezogen. Beide Veranstaltungen sind in der Broschüre „Frauen bringen den Wandel: Bilanz und Perspektiven einer geschlechtergerechten Entwicklungszusammenarbeit“ dokumentiert.
Download: VENRO Gender (1,2 MB)
Perspektivisch soll das Thema Gender und Europäische Entwicklungspolitik in den folgenden Jahren vertieft werden.



